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"Mach langsam, wir haben keine Zeit!"

Datum: 09.07.2010

 

Tiertrainer Philipp Wenz zeigt auf Einladung der LBG Franken und Oberbayern, wie man ohne Stress, sondern „mit Köpfchen“ Großvieh sicher im Stall bewegt

Wer kennt es nicht aus eigener Erfahrung: Gerade da, wo die Zeit drängt und es besonders schnell gehen soll, passieren in der Hektik erst recht Fehler. Man ist mit den Nerven am Ende und unterm Strich dauert die ganze Sache doppelt so lange wie geplant. Das gilt auch im Umgang mit Rindern. Hektik, laute Geräusche oder gar der Einsatz von Stöcken im Stall schaffen unnötige Unruhe. Dass es leichter und sicherer auch ohne Stress geht, demonstriert Philipp Wenz auf seinen Seminaren. Und es ist wirklich beeindruckend, wenn man sieht, mit welch einfachen Gesten und im Prinzip mit den Händen in den Taschen der Tiertrainer die Tiere genau dahin bringt, das zu tun, was er möchte.

Warum ist es wichtig, sich gerade heute mit dieser Methode zu beschäftigen?
„Über Generationen standen Rinder vor allem in Anbindehaltung. Die Tiere verfügten zwar noch über natürliche Verhaltensmuster, konnten diese aber wegen der Haltungsform nicht erkennbar ausleben. Durch die Umstellung auf Laufstallhaltungen wird wieder sichtbar, dass das Rind ein Herdentier ist. Aus dem Leben im Sozialverband ergeben sich Verhaltensweisen, welche vom modernen Tierhalter erkannt und beachtet werden müssen“, weiß LBG-Sicherheitsberater Wolfgang Schatz, der in einer bundesweiten Arbeitsgruppe für Rindersicherheit mitarbeitet.

„Mit dem Tier arbeiten, nicht dagegen“ …
… lautet auf einen Nenner gebracht die Kernbotschaft. Oder mit dem Fachbegriff bezeichnet: Low-Stress-Stockmanship. Dieses Verfahren zum Treiben von Rindern wurde in den siebziger Jahren in Amerika von Bud Williams entwickelt. Philipp Wenz aus Mecklenburg - Vorpommern, hat es in Amerika direkt vom Erfinder erlernt und bietet sein Wissen in Seminaren in ganz Deutschland an. Wesentlich für den erfolgreichen Einsatz dieser Methode ist es, neben der Biologie des Rindes und seiner Verhaltensweisen auch die einzelnen „Zonen“ (neutrale Zone, Beobachtungszone, Bewegungszone) um das Tier herum zu kennen und zu wissen, wo der „Balancepunkt“ ist, von dem aus das Tier wie ferngesteuert genau die Bewegungen ausführt, die es ausführen soll.

LBG hat in Seminarreihe gezeigt, wie es geht
Wie das geht, zeigte Philipp Wenz kürzlich auf einer Seminarreihe der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft vor allem für Berater der Landwirtschaftsämter, Ausbilder an den berufsbildenden Schulen und anderen Multiplikatoren. „Wir möchten diese Methode verstärkt in die fränkischen und oberbayerischen Ställe bringen, denn bei fachgerechter Anwendung sinkt das Unfallrisiko für den Betreuer und für das Tier. Unser Ziel ist, dass Berater und Ausbilder dieses Thema aufgreifen und vor Ort Veranstaltungen mit Tiertrainern wie Philipp Wenz organisieren, um diese Erfahrungen an Landwirte mit Rinderhaltung weitergeben“, wünscht sich Reinhold Watzele, Leiter des Dienstleistungszentrums Prävention der LBG Franken und Oberbayern. „Idealerweise sollte der fachgerechte Umgang mit Tieren verstärkt Bestandteil der landwirtschaftlichen Ausbildung sein!“

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich der Tiertrainer bei Praxisvorführungen zum Beispiel einer Kuh nähert, die in ihrer Box liegt. Von schräg hinten geht er langsam, aber bestimmt auf das Tier zu. Er weiß, wann das Tier ihn bemerkt, er weiß, wann das Tier reagieren wird, und er weiß, wie es reagieren wird. Jetzt steht er innerhalb der Bewegungszone und mit dem nächsten kleinen Schritt erhebt sich das Tier. Würde er wieder etwas zurücktreten, würde sich die Kuh wieder hinlegen, aber er bleibt stehen und wie von einem Magneten gezogen, richtet sich das Tier auf. Nachdem es aufgestanden ist, bugsiert er es ohne direkte Berührung sondern nur durch exakte Bewegungen in die gewünschte Richtung. „Immer eine Handbreit Abstand zum Tier – alte Indianerregel!“ lacht Wenz. „Die Betonung liegt dabei auf immer. Manchmal muss man dann halt schnell sein…“ Allerdings kann er sich nicht erinnern, dass er mit seiner Methode bei einem Tier nicht zum Ziel gekommen ist.

Tiere sind keine Maschinen
Doch auch, wer über das Wissen aus dem Seminar verfügt, sollte zu seiner eigenen Sicherheit bedenken, dass er mit Tieren umgeht. „Viele Einflüsse wirken auf diese ein, die der Landwirt in dem Moment vielleicht nicht erkennen kann oder die er für unwesentlich hält. Deshalb kann auch jedes Tier trotz aller Vorsicht unvorhergesehen reagieren“, erklärt Wolfgang Schatz. Gut ausgebildete Tierbetreuer erkennen einen Stimmungsumschwung er Tiere frühzeitig und können darauf angemessen reagieren und damit Unfälle verhindern.

Tipps im Netz
Weitere Tipps zum sicheren Umgang mit Rindern finden Sie auf der Internetseite der LBG Franken und Oberbayern unter www.fob.lsv.de (im Bereich: Prävention <
Unser Service
Sie würden gerne an einem Seminar nach der Low-Stress-Stockman-Ship-Methode teilnehmen? Auf Wunsch stellt die LBG für Sie gerne Kontakt zu einem Tiertrainer her. Sie erreichen unsere LBG-Sicherheitsberater unter den Telefonnummern 0921/603-345, 089/454 80 500 und 0931/8004 225

Unsere Bitte
Sie arbeiten selbst als Tiertrainer oder kennen Menschen, die erfolgreich mit Rindern nach der Low-Stress-Stockman-Ship-Methode oder ähnlichen Verfahren arbeiten? Gerne würden wir unseren Versicherten ein flächendeckendes Netz an qualifizierten Tiertrainern anbieten.
Bitte setzten Sie sich deshalb gegebenenfalls mit uns in Verbindung, damit wir Ihre Kontaktdaten aufnehmen und bei Bedarf weitergeben können.

 

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